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Einwanderung

Kanada stoppt Eltern- und Großeltern-Sponsoring — Was jetzt?

17. Juli 2026  ·  9 Min. Lesezeit

Kanada stoppt Eltern- und Großeltern-Sponsoring — Was jetzt?

Seit März 2026 nimmt Kanada keine neuen Anträge für das Parents and Grandparents Program (PGP) mehr an. Das Programm ist auf unbestimmte Zeit pausiert — offiziell wegen „Rekord-Bearbeitungszeiten“ und einer Warteliste von über 80.000 Anträgen. Für viele DACH-Einwanderer, die geplant hatten, ihre Eltern oder Großeltern nachzuholen, ist das ein Schock.

Die Realität: Das PGP war schon immer ein Lotterie-System. Selbst wer einen Platz bekam, wartete 5–7 Jahre auf die Entscheidung. Jetzt ist das Programm komplett zu — und es gibt keine Garantie, dass es 2027 oder 2028 wieder öffnet.

Was du wirklich wissen musst

Das PGP ist NICHT abgeschafft — nur pausiert. Aber die Pause ist unbefristet, und Immigration, Refugees and Citizenship Canada (IRCC) hat noch keinen Zeitplan für die Wiedereröffnung genannt. Hier sind die Fakten:

Bestehende Anträge werden weiter bearbeitet. Wenn du bereits einen PGP-Antrag eingereicht hast (2020–2024 Intake), bleibt er aktiv. Die Bearbeitung läuft weiter — aber erwarte 6–8 Jahre Wartezeit ab Einreichung.

Keine neuen „Interest to Sponsor“-Formulare seit 2024. Das Zwei-Stufen-System (erst „Interest to Sponsor“ einreichen, dann auf eine Einladung warten) ist ausgesetzt. Es gibt keinen neuen Intake, keine Lotterie, keine Einladungen.

Super Visa bleibt verfügbar. Deine Eltern können NICHT dauerhaft einwandern, aber sie können dich mit einem Super Visa für bis zu 5 Jahre am Stück besuchen (mit Verlängerungsoption auf bis zu 7 Jahre). Das ist KEIN Permanent Resident Status, aber es erlaubt lange Aufenthalte.

Finanzielle Anforderungen (PGP) waren hoch. Um deine Eltern zu sponsern, musstest du in den letzten 3 Jahren ein Einkommen von 130–150 % über der Low Income Cut-Off (LICO) nachweisen. Für eine 4-Personen-Familie (du + Partner + 2 Elternteile) waren das CAD 78.000–85.000 pro Jahr — und das JEDES Jahr.

Die Pause trifft vor allem neue PR-Inhaber. Wer gerade über Express Entry oder PNP eingewandert ist, konnte das PGP erst nach 3 Jahren nutzen (weil du 3 Jahre Steuernachweise brauchst). Jetzt ist das Fenster zu, bevor viele überhaupt antragsberechtigt waren.

Warum wurde das Programm gestoppt?

Offiziell: „Rekord-Bearbeitungszeiten und Backlog-Reduktion.“ Die Warteliste liegt bei über 80.000 Anträgen, die durchschnittliche Bearbeitungszeit ist auf 6–8 Jahre gestiegen. IRCC sagt, sie wollen erst den Stau abbauen, bevor neue Anträge angenommen werden.

Inoffiziell: Das PGP ist politisch umstritten. Eltern und Großeltern bringen keine wirtschaftlichen Beiträge (sie arbeiten nicht), belasten das Gesundheitssystem (kostenlose Krankenversicherung für Seniors), und viele Kanadier fragen, warum Einwanderer ihre Eltern nachholen dürfen, während ihre eigenen Eltern hier Steuern zahlen.

Die Kosten für das kanadische Gesundheitssystem sind explodiert — vor allem in BC und Ontario, wo viele gesponserte Eltern leben. Eine 70-jährige Person ohne Arbeitseinkommen kostet das System CAD 12.000–18.000 pro Jahr (Arztbesuche, Medikamente, Krankenhausaufenthalte). Bei 80.000 Anträgen im Backlog reden wir von potenziellen Kosten in Milliardenhöhe.

Deine Alternativen: Super Visa, Visitor Visa, und Provincial Nominee

Auch wenn das PGP pausiert ist, gibt es andere Wege, deine Eltern nach Kanada zu bringen — wenn auch nicht mit Permanent Residence.

1. Super Visa (bis zu 5–7 Jahre)

Das Super Visa ist ein Langzeit-Besuchervisum für Eltern und Großeltern kanadischer PR-Inhaber oder Staatsbürger. Es erlaubt mehrere Einreisen über einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren, mit Aufenthalten von bis zu 5 Jahren am Stück (verlängerbar auf 7 Jahre).

Voraussetzungen:

– Du (als Sponsor) musst ein Mindesteinkommen nachweisen (LICO-Schwelle, ca. CAD 35.000–50.000 je nach Familiengröße).

– Deine Eltern müssen eine kanadische Krankenversicherung abschließen (CAD 2.000–5.000 pro Jahr).

– Medizinische Untersuchung (Immigration Medical Exam) erforderlich.

Bearbeitungszeit: 3–6 Monate (deutlich schneller als PGP)

Kosten:

– Antragsgebühr: CAD 100 pro Person

– Krankenversicherung: CAD 2.000–5.000 pro Jahr (für Personen über 65)

– Medizinische Untersuchung: CAD 200–400

Was das Super Visa NICHT ist:

– Kein Permanent Residence (keine Sozialleistungen, keine kostenlose Krankenversicherung, kein Wahlrecht)

– Deine Eltern dürfen NICHT arbeiten

– Sie zahlen keine kanadischen Steuern (außer auf kanadische Einkünfte, falls vorhanden)

2. Visitor Visa (bis zu 6 Monate)

Wenn deine Eltern aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommen, brauchen sie als Touristen kein Visum — nur eine Electronic Travel Authorization (eTA). Sie dürfen bis zu 6 Monate am Stück bleiben, müssen aber nachweisen, dass sie nach Hause zurückkehren (Rückflugticket, Bindungen im Heimatland).

Problem: Wenn sie 6 Monate bleiben, ausreisen, und sofort wiederkommen, kann die Grenzbeamtin beim zweiten Mal skeptisch werden. „Visitor Visa Abuse“ ist ein echtes Risiko — wenn es aussieht, als würden deine Eltern dauerhaft in Kanada leben (ohne PR-Status), können sie die Einreise verweigern.

Besser: 6 Monate in Kanada, 3–6 Monate zurück in DACH, dann erneut 6 Monate. Das zeigt, dass sie echte Besucher sind, nicht De-facto-Einwohner.

3. Provincial Nominee Program (PNP) — nur in Ausnahmefällen

Einige Provinzen (z. B. Manitoba, Saskatchewan) hatten früher PNP-Streams, die es Einwanderern erlaubten, Eltern zu nominieren. Diese Programme sind entweder pausiert oder extrem eingeschränkt. BC und Alberta bieten KEINE PNP-Option für Eltern-Sponsoring.

Manitoba bspw.: hatte ein „Family Stream“, das es dir erlaubte, entfernte Verwandte (einschließlich Eltern) zu sponsern, wenn du bereits in Manitoba lebtest und ein stabiles Einkommen hattest. Dieses Programm ist seit 2021 pausiert.

Häufige Fehler, die DACH-Einwanderer machen

„Ich warte einfach, bis das PGP wieder öffnet“

Das kann 2027, 2029 oder nie sein. Es gibt keinen offiziellen Zeitplan. Selbst wenn es wieder öffnet, ist es ein Lotterie-System — du bekommst keine Garantie, ausgewählt zu werden. Plane nicht deine Einwanderung um ein Programm, das vielleicht nicht zurückkehrt.

„Super Visa = Permanent Residence“

Nein. Das Super Visa ist ein Besuchervisum, kein PR-Status. Deine Eltern dürfen nicht arbeiten, bekommen keine Sozialleistungen, und müssen ihre eigene Krankenversicherung zahlen (CAD 2.000–5.000 pro Jahr). Sie sind Besucher, keine Einwohner.

„Meine Eltern können einfach als Touristen bleiben und später PGP beantragen“

Gefährlich. Wenn deine Eltern länger als 6 Monate ohne Genehmigung bleiben, werden sie „overstayers“ — das kann zu einem Einreiseverbot führen und zukünftige PGP-Anträge disqualifizieren. Halte dich an die Regeln, sonst ruinierst du ihre Chancen komplett.

„Ich schließe die Krankenversicherung für meine Eltern nur für den Antrag ab und kündige dann“

Das ist Betrug. Wenn deine Eltern mit dem Super Visa einreisen und KEINE aktive Versicherung haben, kann das bei der nächsten Einreise auffallen — und ihr Super Visa wird widerrufen. Die Versicherung muss während des gesamten Aufenthalts gültig sein.

„Ich reiche einfach einen PGP-Antrag ein, bevor das Programm pausiert“

Zu spät. Das „Interest to Sponsor“-Formular wurde seit Oktober 2024 nicht mehr geöffnet. Es gibt keinen Weg, einen neuen Antrag einzureichen, solange das Programm pausiert ist.

Was passiert mit bestehenden Anträgen?

Wenn du bereits einen PGP-Antrag eingereicht hast (z. B. 2020–2024 Intake), bleibt er aktiv. IRCC hat bestätigt, dass bestehende Anträge weiterbearbeitet werden — aber die Wartezeit bleibt bei 6–8 Jahren.

Bearbeitungsstand prüfen:

– Einloggen auf ircc.canada.ca mit deinem Account

– „Check application status“ aufrufen

– Bei Fragen: IRCC Web Form nutzen (keine Telefon-Hotline für PGP)

Was du tun kannst:

– Halte deine Nachweise aktuell (Einkommen, Steuernachweise, Adresse)

– Wenn sich deine Situation ändert (Umzug, Scheidung, Tod eines Sponsors), IRCC sofort informieren

– Keine Panik — solange dein Antrag „In Progress“ ist, wird er bearbeitet

Was du NICHT tun solltest:

– Mehrfach bei IRCC anrufen (das verzögert die Bearbeitung)

– Einen Anwalt beauftragen, der „beschleunigte Bearbeitung“ verspricht (das funktioniert nicht)

– Den Antrag zurückziehen, um ihn später neu einzureichen (es gibt kein „später neu einreichen“ mehr)

Solltest du trotzdem nach BC oder Alberta einwandern?

Ja — wenn deine Einwanderung NICHT davon abhängt, deine Eltern nachzuholen. Das PGP war schon immer unsicher (Lotterie-System, lange Wartezeiten), und es sollte nie der Hauptgrund für deine Einwanderung sein.

Wenn deine Eltern jung und gesund sind (unter 60):

Super Visa ist eine realistische Langzeit-Option. Sie können 5–7 Jahre am Stück bleiben, müssen aber ihre eigene Krankenversicherung zahlen.

Wenn deine Eltern älter sind (über 70):

Super Visa wird teuer (Krankenversicherung CAD 4.000–6.000 pro Jahr). Visitor Visa (6 Monate pro Jahr) ist günstiger und realistischer.

Wenn du deine Eltern dauerhaft bei dir haben willst:

Kanada ist aktuell NICHT der richtige Ort. Das PGP ist pausiert, es gibt keine Garantie, dass es zurückkehrt, und selbst wenn — die Wartezeit ist 6–8 Jahre. Wenn du deine Eltern wirklich dauerhaft bei dir brauchst, solltest du eine andere Einwanderungsdestination in Betracht ziehen.

Wird das PGP jemals wiederkommen?

Möglich, aber ungewiss. IRCC hat gesagt, dass das Programm pausiert ist, um den Backlog abzubauen — aber sie haben keinen Zeitplan genannt. Es gibt drei Szenarien:

Szenario 1: Wiedereröffnung mit strengeren Regeln (wahrscheinlich)

Das PGP kommt 2028–2029 zurück, aber mit höheren Einkommens-Anforderungen (z. B. 150–170 % LICO statt 130 %), kürzeren Aufenthaltsfristen (z. B. 3 Jahre statt dauerhaft), oder einer Gebühr für Krankenversicherung (wie in Australien).

Szenario 2: Dauerhafter Stopp (möglich)

Die politische Stimmung gegen das PGP wächst. Wenn die Kosten für das Gesundheitssystem weiter steigen, könnte die Regierung das Programm komplett streichen und nur noch Super Visa anbieten.

Szenario 3: Ersatz durch ein „Temporary Parent Visa“ (unwahrscheinlich, aber diskutiert)

Ein neues Visa-Programm, das Eltern 3–5 Jahre Aufenthalt erlaubt (wie Super Visa), aber mit einer Verlängerungsoption auf PR nach 5 Jahren — wenn sie nachweisen können, dass sie nicht das Gesundheitssystem belasten.

Bis es offizielle Neuigkeiten gibt, solltest du NICHT auf das PGP setzen. Plane deine Einwanderung so, als würde es nie zurückkehren.

Fazit: Plane deine Einwanderung ohne PGP

Das PGP ist auf unbestimmte Zeit pausiert — und selbst wenn es zurückkehrt, bleibt es ein Lotterie-System mit 6–8 Jahren Wartezeit. Wenn du deine Eltern dauerhaft bei dir haben willst, ist Kanada aktuell nicht die richtige Wahl.

Was du stattdessen tun kannst:

– Super Visa für 5–7 Jahre Langzeit-Aufenthalte nutzen

– Visitor Visa (6 Monate pro Jahr) für regelmäßige Besuche

– Akzeptieren, dass deine Eltern in DACH bleiben und du 1–2× pro Jahr zu Besuch fliegst

Bottom Line: Wandere nach BC oder Alberta aus, weil es für DICH die richtige Entscheidung ist — nicht, weil du hoffst, deine Eltern nachzuholen. Das PGP war nie eine Garantie, und jetzt ist es komplett unsicher. Wenn deine Einwanderung davon abhängt, dass deine Eltern mitkommen, warte ab, bis das Programm offiziell wiedereröffnet wird — oder such dir ein Land mit einem zuverlässigeren Eltern-Sponsoring-System.

RCIC-Disclaimer:

Dies ist keine Rechts- oder Einwanderungsberatung. Nur zugelassene Regulated Canadian Immigration Consultants (RCICs) dürfen verbindliche Beratung anbieten.

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