YouTube Videocall buchen →
Einwanderung

Kein LMIA mehr nötig: Wie die neuen Express-Entry-Bonuspunkte ab 3. November Ingenieuren und Facharbeitern helfen

📅 24. Oktober 2026 ✍️ Redaktion go2canada.info ⏱ 7 Min. Lesezeit
Kein LMIA mehr nötig: Wie die neuen Express-Entry-Bonuspunkte ab 3. November Ingenieuren und Facharbeitern helfen

Ab dem 3. November 2026 vergibt Express Entry neue CRS-Zusatzpunkte für Jobangebote in sogenannten „Hochlohn“-Berufen – und zwar ohne dass dafür noch ein Labour Market Impact Assessment, kurz LMIA, nötig ist. Konkret sind es 50, 70 oder 100 Punkte, je nachdem, wie stark der Beruf über dem landesweiten Durchschnittslohn liegt (Quelle: IRCC-Mitteilung „Changes to Express Entry for high-wage occupations“ auf canada.ca, Stand Oktober 2026). Angekündigt hat das Einwanderungsministerin Lena Metlege Diab am 16. Oktober 2026, berichtet das Fachportal CIC News (Stand Oktober 2026). Am meisten profitieren davon Ingenieure, Fachkräfte in Technologie, Gesundheit, Bildung und ausgewählten Skilled Trades – also genau die Zielgruppe aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die bisher oft am LMIA-Nadelöhr gescheitert ist, weil kanadische Arbeitgeber den bürokratischen Prozess scheuten.

Ich begleite seit über zwei Jahrzehnten Fachkräfte aus dem DACH-Raum nach British Columbia und Alberta, und ehrlich gesagt: Diese Reform ist eine der größeren Verschiebungen im System, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Sie trifft genau den Punkt, an dem die meisten Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bisher gescheitert sind – nicht an der eigenen Qualifikation, sondern daran, dass kanadische Arbeitgeber ein LMIA nicht beantragen wollten. Das ändert sich jetzt spürbar, zumindest für die Punktevergabe.

Die Fakten zur Reform – was IRCC ab 3. November wirklich ändert

  • Drei Punktestufen für Jobangebote: Ein qualifizierendes Jobangebot in einem Hochlohn-Beruf bringt 100 CRS-Punkte, wenn der Beruf mindestens das Doppelte des durchschnittlichen kanadischen Medianlohns verdient; 70 Punkte bei mindestens 1,5-fachem Medianlohn; und 50 Punkte bei mindestens 1,3-fachem Medianlohn (Quelle: canada.ca, News-Mitteilung „Changes to Express Entry for high-wage occupations“, Stand Oktober 2026).
  • Die Lohnschwelle ist national, nicht provinziell: „Hochlohn-Beruf“ bedeutet laut IRCC ein NOC-Beruf, dessen Medianlohn über alle Beschäftigten in Kanada mindestens das 1,3-fache des Medianlohns der gesamten kanadischen Erwerbsbevölkerung beträgt (Quelle: canada.ca, Stand Oktober 2026). Wichtig für die Einordnung: Das ist der gesamtkanadische Durchschnitt – nicht der BC- oder Alberta-spezifische Lohn. Ein Jobangebot in Fort McMurray wird also am nationalen Berufs-Median gemessen, nicht am (oft höheren) Lohnniveau im Norden Albertas.
  • LMIA entfällt für diesen Zweck: Ab 3. November 2026 wird kein LMIA mehr benötigt, damit ein qualifizierendes Jobangebot die neuen Express-Entry-Punkte bringt oder die Jobangebots-Anforderung im Federal Skilled Worker Program bzw. Federal Skilled Trades Program erfüllt (Quelle: canada.ca, Stand Oktober 2026). Ein vorhandenes LMIA verschafft laut CIC News (Stand Oktober 2026) keinen zusätzlichen Vorteil mehr.
  • Rund 186 Berufe betroffen: Nach Analyse des Fachportals immigration.ca (Stand Oktober 2026) fallen etwa 186 höher entlohnte Berufe in die drei Lohnstufen – von Ingenieurdisziplinen über Ärzte, Pflegekräfte, Softwareentwicklung bis zu bestimmten Skilled-Trades-Positionen. IRCC selbst führt als Beispiele unter anderem Ingenieure und Elektriker an, verteilt über Gesundheit, Handwerk, Technik und Bildung (Quelle: canada.ca, Stand Oktober 2026).
  • Keine Doppelpunkte: Wer sowohl kanadische Berufserfahrung als auch ein qualifizierendes Jobangebot vorweisen kann, bekommt nicht beides addiert, sondern nur die jeweils höhere Punktzahl (Quelle: canada.ca, Stand Oktober 2026). Maximal sind laut IRCC 150 Punkte für Alleinstehende bzw. 140 Punkte für Bewerber mit Partner/Partnerin aus diesem Faktor möglich (Quelle: canada.ca, Stand Oktober 2026).
  • Übergangsphase mit Pause: Bestehende Profile im Pool werden automatisch neu berechnet, was laut CIC News (Stand Oktober 2026) bis zu zwei Wochen dauern und Invitation-Runden vorübergehend aussetzen kann.

Eine Einschränkung muss an dieser Stelle ehrlich benannt werden: Zum Redaktionsschluss liefert IRCC selbst keine offizielle Gesamtzahl der betroffenen Berufe und keine vollständige Liste mit exakten Lohngrenzen in Dollar – das ergibt sich erst aus der jährlich aktualisierten NOC-Berufsliste, die auf Job-Bank-, Labour-Force-Survey- und Zensusdaten der letzten drei Jahre basiert (Quelle: canada.ca, Stand Oktober 2026). Die Zahl von 186 Berufen stammt aus einer unabhängigen Fachanalyse, nicht aus der offiziellen Pressemitteilung selbst.

Schritt für Schritt: So nutzt du die neuen Punkte als Ingenieur oder Facharbeiter aus DACH

1. Finde deinen NOC-Code und seine TEER-Kategorie. Ohne den korrekten National Occupational Classification Code lässt sich gar nicht prüfen, ob dein Beruf überhaupt auf der Hochlohn-Liste steht. Ein Bauingenieur, Elektroingenieur oder eine Elektrofachkraft liegt oft in TEER 0 bis 2 – also genau dem Bereich, der von der Reform profitiert.

2. Prüfe, in welche Lohnstufe dein konkretes Jobangebot fällt. Nicht jeder Ingenieurjob ist automatisch ein 100-Punkte-Job. Die Einstufung hängt vom Medianlohn des jeweiligen NOC-Berufs ab, nicht vom Einzelgehalt – ein Jobangebot in Calgary oder Edmonton kann je nach Fachrichtung unterschiedlich eingestuft sein.

3. Lass dir ein Jobangebot von einem kanadischen Arbeitgeber geben – ohne LMIA-Hürde. Das ist der eigentliche Gamechanger: Arbeitgeber in Vancouver, Kelowna, Victoria im Süden von BC oder in Calgary und Edmonton in Alberta, die bisher vor dem LMIA-Prozess zurückgescheut sind, können jetzt leichter ein qualifizierendes Angebot aussprechen. Wichtig: Das Angebot muss trotzdem echt, unbefristet beziehungsweise durchgehend und in der Regel mindestens Vollzeit sein.

4. Aktualisiere dein Express-Entry-Profil vor dem 3. November 2026. Wer schon im Pool ist und ein Jobangebot nachtragen will, muss das laut IRCC-Angaben vor dem Stichtag tun, damit die Neuberechnung es berücksichtigt.

5. Denke regional – gerade der Norden zahlt oft überproportional. Für Facharbeiter in Skilled Trades lohnt sich ein Blick auf Nord-BC (Prince George, Fort St. John, Dawson Creek) und Nord-Alberta (Fort McMurray, Grande Prairie): Camp-Jobs in Öl-, Gas- und Rohstoffprojekten liegen dort laut Branchenangaben oft bei CAD 100.000 bis 140.000 oder mehr pro Jahr – ein Bereich, der je nach NOC-Einstufung durchaus die 1,5- oder 2-fache Medianlohn-Schwelle erreichen kann.

Netto-Realität: Alberta ist nicht „steuerfrei“

Ein Mythos, der sich unter Auswanderern hartnäckig hält: „In Alberta zahlt man keine Provinzsteuer.“ Das stimmt so nicht mehr. Alberta erhebt seit der jüngsten Steuerreform 2026 eine gestaffelte Provinzsteuer von 8 Prozent auf die ersten rund 61.200 CAD bis hin zu 15 Prozent auf Einkommen über rund 370.220 CAD (Quelle: Alberta-Steuertabellen 2026, zusammengefasst unter anderem bei Wealthsimple, Stand 2026). Zum Vergleich: British Columbia staffelt von 5,6 Prozent auf die ersten rund 50.363 CAD bis 20,5 Prozent oberhalb von rund 265.545 CAD (Quelle: BC-Steuertabellen 2026, Stand 2026). Der echte Alberta-Vorteil liegt woanders: Die Provinz erhebt keine eigene Umsatzsteuer (PST), während in BC zur 5-prozentigen Bundes-GST noch 7 Prozent PST hinzukommen – kombiniert also 12 Prozent auf die meisten Käufe (Quelle: BC-Steuerbehörde / Sales-Tax-Übersicht 2026, Stand 2026). Für den Alltag heißt das: Wer in Calgary oder Edmonton lebt, zahlt auf Möbel, Autos oder Elektronik schlicht weniger als in Vancouver oder Victoria – das ist der eigentliche Netto-Hebel, nicht eine angebliche Steuerfreiheit.

Die häufigsten Fehler, die DACH-Fachkräfte bei Express Entry machen

Fehler 1: Glauben, LMIA sei generell abgeschafft. Die Erleichterung gilt ausschließlich für die neuen CRS-Punkte und für die Jobangebots-Anforderung im Federal Skilled Worker Program und Federal Skilled Trades Program. Wer vor der permanenten Aufenthaltsbewilligung erst ein befristetes, arbeitgebergebundenes Arbeitsvisum braucht, kann je nach gewähltem Weg weiterhin auf ein LMIA stoßen. Diese Unterscheidung wird in Foren und Facebook-Gruppen oft vermischt.

Fehler 2: Den eigenen NOC-Code falsch oder gar nicht bestimmen. Viele Ingenieure aus Deutschland ordnen sich selbst grob als „Engineer“ ein, ohne die exakte TEER-Kategorie und den Berufscode zu prüfen. Ohne korrekten NOC-Code lässt sich aber nicht feststellen, ob und in welcher Stufe der Hochlohn-Bonus überhaupt greift.

Fehler 3: Annehmen, jedes Jobangebot reiche automatisch. Ein Angebot muss nach wie vor bestimmte Kriterien erfüllen – unter anderem Vollzeit, durchgehende Beschäftigung und eine Mindestdauer, berichtet CIC News (Stand Oktober 2026). Ein befristeter Projektvertrag über sechs Monate zählt in der Regel nicht als qualifizierendes Angebot.

Fehler 4: Die nationale Lohnschwelle mit dem lokalen BC- oder Alberta-Lohnniveau verwechseln. Wie oben erklärt, bezieht sich die 1,3-/1,5-/2-fache Schwelle auf den gesamtkanadischen Berufsmedian – nicht auf das, was in Calgary oder Vancouver üblich ist. Ein Gehalt, das in Fort McMurray „normal“ klingt, kann trotzdem unter der nationalen Hochlohn-Schwelle für den jeweiligen Beruf liegen.

Mein ehrliches Fazit

Diese Reform ist ein echter Fortschritt für genau die Zielgruppe, die ich täglich berate: qualifizierte Ingenieure und Facharbeiter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die an der LMIA-Bürokratie gescheitert sind, obwohl ihre Qualifikation nie das Problem war. Dass bis zu 100 CRS-Punkte ohne LMIA möglich sind, verändert die Rechnung spürbar – gerade für Berufe in Technik, Gesundheit und ausgewählten Trades in BC und Alberta. Gleichzeitig würde ich niemandem raten, jetzt blind loszulegen: Die genaue Liste der 186 Berufe und die exakten Dollar-Lohngrenzen pro NOC-Code sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollständig öffentlich einsehbar, und die zweiwöchige Pause bei den Invitation-Runden kann kurzfristig für Verzögerungen sorgen. Wer jetzt ein Jobangebot in Aussicht hat, sollte zuerst den eigenen NOC-Code und dessen Lohnstufe klären, bevor er sein Profil aktualisiert oder gar den Umzug plant.

Dies ist keine Rechts- oder Einwanderungsberatung. Nur zugelassene RCICs dürfen verbindliche Beratung anbieten.

H
Herb · go2canada.info

Seit über 20 Jahren in BC und Alberta. Persönliche Erfahrung statt Hochglanzbroschüre.

Mehr über uns →
KONKRETE FRAGE DAZU?

Im 1:1-Videocall gehen wir deine Situation durch. Die ersten 15 Minuten sind gratis.

Gratis-Kennenlernen →
Kein RCIC: Alle Inhalte sind persönliche Erfahrungsberichte, keine Rechts- oder Einwanderungsberatung.